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«Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!»

Die Berner Bevölkerung hat am 4.März entschieden:

Erlass und Einführung von neuen Lehrplänen wollen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger weiterhin dem Erziehungsdirektor und seinen Fachleuten überlassen. Diesen Entscheid gilt es zu respektieren.

Unsere Kinder sollen in der Schule die Grundlagen für die berufliche Ausbildung und das gesellschaftliche Leben lernen.

 

Herzlichen Dank allen Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, die heute für die Initiative „Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!“ ein JA eingelegt haben.

 

Quelle: Redaktion des Initiativkomitees

 

Von der Abstimmung zur Harmonisierung der Schule bis zum Lehrplan 21:

Hintergründe und Hergang der Initiative auf ...

separater Seite

Infos

«Hüslipapier»

  • Französischunterricht -­‐ Ein Vorgeschmack auf den Lehrplan 21?
  • Warum gehören Lehrpläne vors Volk?
  • Warum ist der Lehrplan 21 umstritten?
  • Die Kostenexplosion ist unkontrollierbar

Download (PDF)

Webseite des Initiativkomitees

starkevolksschulebern.ch

"Flyer- Überall"

Flyer mit Statements von Prof. Dr. Walter Herzog, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Bern | Franziska Fuss- Oehrli, Lehrerin und Bäuerin | Alain Pichard, Reallehrer Orpund, Mitherausgeber von «Einspruch» | Katharina Baumann, Grossrätin Kanton Bern | Erich von Siebenthal, Nationalrat, Vater von drei erwachsenen Kindern

Argumente und Fakten zusammengefasst

Septembersession 2017 | Mehrheit des Grossen Rates lehnt die Initiative ab

EDU-STANDPUNKT OKTOBER 2017 | von Jakob Schwarz, Grossrat

Die Initiative «Für demokratische Mitsprache - Lehrpläne vors Volk!» wurde im August 2016 mit 18'861 gültigen Unterschriften eingereicht.

Die Initiative will die Zuständigkeit für den Erlass der Lehrpläne ändern. Künftig sollen die Lehrpläne nicht mehr abschliessend nur durch den Erziehungsdirektor erlassen werden, sondern vom Grossen Rat oder bei einem Referendum durch das Volk genehmigt werden. Bei der Beratung im Grossen Rat war die EDU die einzige Fraktion, die das Anliegen einstimmig unterstützte. Grossrätin Katharina Baumann im Parlament: «In diesem Saal wurden schon oft weniger tiefgründige Themen behandelt. Angesichts der Tragweite und der Bedeutung für die kantonale Schulorganisation und für die künftige Ausbildung der Schüler und Schülerinnen, sowie zwecks einer politischen Legitimation soll der Grosse Rat über die Einführung, den Einführungszeitpunkt und die Kosten neuer Lehrpläne im Kanton Bern befinden können».

 

Die Mehrheit im Grossen Rat sah das anders und lehnte die Initiative, welche im nächsten Jahr zur Volksabstimmung kommt, ab.

Zustandekommen der Volksinitiative «Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!»

8. September 2016 – Medienmitteilung der Staatskanzlei des Kantons Bern

 

Der Regierungsrat des Kantons Bern hat festgestellt, dass die kantonale Volksinitiative «Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!» zustande gekommen ist. Das Initiativkomitee hat bei der Staatskanzlei 18‘861 gültige Unterschriften eingereicht.

Berner Lehrplan- Initiativkomitee hat mehr als 15'000 Unterschriften

Die Neue Zürcher Zeitung berichtet am 19. August 2016

19'000 Unterschriften deponierte das Komitee «IG Starke Volksschule Kanton Bern» bei der Staatskanzlei – 4000 mehr als benötigt. Damit ist es praktisch gewiss, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auch im Kanton Bern über das Schicksal des Lehrplans 21 entscheiden werden.

 

Wie in anderen Kantonen steht nicht der Lehrplan selbst zur Debatte. Verlangt wird, dass statt der Regierung das Kantonsparlament über wichtige Änderungen am Lehrplan entscheiden könne.

 

Argumente und vieles mehr

bei der IG Starke Volksschule Bern

 

In vielen Kantonen regt sich Widerstand!

Eine Bestandsaufnahme

Viele unheilvolle Auswirkungen der schon Jahre dauernden Reformen hinsichtlich des Lehrplans 21 (LP 21) machen sich unterdessen bemerkbar. Die massiven Eingriffe, Bevormundung und Gleichschaltung von Lehrern und Schulen passen schlecht zu einer freien Gesellschaft.


Lesen Sie den ausführlichen Beitrag von Lisa Leisi ab Seite 6 in unserer Standpunkt- Ausgabe Nr. 6 | 2016 (PDF)

Eigene Stellungnahme aus dem Standpunkt EDU Kanton Bern, Februar 2016

 

Im Fokus steht der LP21 (Lehrplan 21).Dessen Neuerungen werden begrüsst, zugleich wird viel Kritik geäussert. Das unten stehende Interview mit EDU Grossrat Stefan Oester gibt Einblick in die aktuelle Diskussion um den neuen Lehrplan und die Anliegen der Initiative.

Stefan, der Text auf dem Unterschriftenbogen fordert mehrere Änderungen des Volksschulgesetzes von 1992. In den neu vorgesehenen Absätzen 4 und 5 zu Artikel 12 des Gesetzes wird die Zuständigkeit für Erlass und Einführung von Lehrplan und Lehrplanteilen nicht allein dem Regierungsrat sondern zusätzlich auch dem Grossen Rat übertragen. Was steht hinter den Begriffen «Erlass» und «Einführung»? Will der Grosse Rat auf den Inhalt des Lehrplans Einfluss nehmen? Oder will er einfach über dessen Gültigkeit befinden?

 

Der «Erlass» ist der Oberbegriff für eine publizierte, allgemein verbindliche Rechtsnorm, in unserem Fall der Lehrplan 21, der eingeführt werden soll. Nun gibt es bei den Gegnern des LP21 ganz unterschiedliche Gründe für Kritik. Von Links bis Rechts gibt es Widerstand gegen diese abgehobene Bildungsbürokratie. Der Lehrplan ist, salopp gesagt, ein Monsterwerk der gröberen Sorte. Das kompetenzorientierte Lernen, verschiedene Inhalte des Lehrplanes und die hohen Kosten sind die wesentlichen Faktoren, welche zur Bildung einer Allianz gegen den LP21 geführt haben. Die Gültigkeit an sich wird nicht bestritten, sondern vielmehr der Inhalt.

 

Der Einführungsprozess ist in vollem Gang, ab 1. August 2018 soll der LP21 (Lehrplan 21) in Kindergarten und für das 1. bis 7. Schuljahr in Kraft treten. Das 8. und 9. Schuljahr folgen jeweils ein Jahr versetzt. Angenommen, die Initiative erhält genügend Unterschriften und wird danach in einer Volksabstimmung angenommen, so wird der LP21 zu diesem Zeitpunkt bereits in Kraft sein. Die Initiative soll deshalb rückwirkend,per 1. Januar 2017 gelten. Das bedeutet, der Grosse Rat könnte nachträglich über den LP21 und dessen Gültigkeit befinden. Was wäre aus deiner Sicht ein mögliches Szenario, das sich aus der Anwendung der neuen Kompetenz des Grossen Rates ergeben könnte?

 

Bei einem Ja des Stimmvolkes zur Initiative könnte der Grosse Rat über den Inhalt des LP21 beraten und diesen genehmigen oder auch nicht. Die Einführung käme erst, wenn der Grosse Rat mit dem Inhalt zufrieden wäre. Zusätzlich bekäme das Stimmvolk die Möglichkeit gegen den Beschluss des Grossen Rats das Referendum zu ergreifen. Für den LP 21 könnte das bedeuten, dass er kurz nach der Einführung bereits wieder angepasst werden müsste. Mit allen einzuhaltenden Fristen könnte sich die Einführung eines definitiven Lehrplanes noch lange hinauszögern.

 

Verfolgt die Initiative das Kernanliegen, den LP21 letztlich zu verhindern?

 

Bei den Gegnern geht es einerseits um die Kritik am Inhalt und anderseits an den kompetenzorientierten Lernformen. Würde der LP21 nicht eingeführt würde, wären beide mit der Kritik verbundenen Anliegen erfüllt. Daher gibt es diesen breiten Widerstand.

 

Auf dem Unterschriftbogen steht: «Die Einführung des Lehrplan 21 verursacht im Kanton Bern jährlich wiederkehrende Kosten von über 30 Millionen Steuerfranken ohne pädagogischen Mehrwert.» Versickert hier Geld in Administration und Bürokratie?

 

Diese Vermutung teile ich. Genau dieser Aspekt steht in der Kritik und ist sehr stossend. Dazu kommt zusätzlich die ganze «Lehrmittel-Industrie», welche sich mit neuen Angeboten und Produkten ein fettes Stück von diesem Kuchen abschneiden möchte.

 

Welche Gründe sprechen deiner Meinung nach dafür, die Initiative zu unterstützen?

 

In diesem fortgeschrittenen Prozess wird es nicht einfach sein, das Ruder noch zu wenden. Aber als Zeichen des Unmuts werden wir ganz sicher wahrgenommen und unsere Anliegen werden eventuell noch aufgenommen. Sollten wir für eine Änderung des LP21 zu spät sein, wären wenigstens zukünftige neue Lehrpläne von der neuen Regelung betroffen. So oder so zählen wir auf jede Stimme.

 

Fragen: Thomas Kuhn, Redaktor

 

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Volksinitiative Kanton Bern:

«Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!»

-> en français

 

Begründung

Der von der Deutschschweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) verabschiedete Lehrplan 21, welcher als Vorlage für den kantonalen Lehrplan gelten soll, geht weit über den erwarteten Rahmenlehrplan hinaus. Statt die Lehrpläne der Kantone im Sinne einer Harmonisierung zusammenzufassen, wurde ohne demokratische Legitimation ein neuer Lehrplan mit neuen Inhalten, Lehrmitteln und einem neuen Lern- und Unterrichtsverständnis geschaffen. 

 

Diese umstrittene Reform überfordert insbesondere schulisch schwächere Kinder, womit die Chancengerechtigkeit in unserer Volksschule gefährdet ist. 

 

Das Stimmvolk hat 2006 einer Harmonisierung des Schulwesens im Bereich des Schuleintrittsalters und der Schulpflicht, der Dauer und Ziele der Bildungsstufen und von deren Übergängen sowie der Anerkennung von Abschlüssen (Bildungsartikel, §62 Abs.4 der Bundesverfassung) zugestimmt.

 

Am Volk vorbei soll nun eine gesamtschweizerische Schulreform mit weitreichenden Konsequenzen eingeführt werden.

 

Die Einführung des Lehrplan 21 verursacht im Kanton Bern jährlich wiederkehrende Kosten von über 30 Millionen Steuerfranken ohne pädagogischen Mehrwert.

 

Deshalb darf nicht der Erziehungsdirektor alleine, sondern der Grosse Rat und die Bürgerinnen und Bürger müssen in letzter Instanz über den kantonalen Lehrplan beschliessen.

Diese Volksinitiative garantiert sowohl die demokratische Mitsprache des Grossen Rates sowie diejenige der Berner Bevölkerung in wichtigen Fragen zur Aufgabe der Schule.

 

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Wortlaut der Initiative

Das Volksschulgesetz des Kantons Bern vom 19. März 1992 (VSG; BSG 432.210) wird wie folgt geändert:

Art. 12

Abs. 1 (neu) Der Regierungsrat umschreibt in den Lehrplänen für die deutschsprachigen Volksschulen die Fächer sowie die Ziele und Inhalte für den Unterricht im Rahmen der Bestimmungen der Artikel 9 bis 11.

 

Abs. 4 (neu) Der Erlass und die Einführung von Lehrplänen und Lehrplanteilen fallen in die Zuständigkeit des Regierungsrates und des Grossen Rates. Sie bedürfen zu ihrer Anwendbarkeit der Genehmigung durch den Grossen Rat. Der Grossratsbeschluss unterliegt dem fakultativen Referendum. Lehrplan- bzw. Lehrplanteiländerungen von untergeordneter Bedeutung führt der Regierungsrat in eigener Kompetenz ein.

 

Abs. 5 (neu) Interkantonale Vereinbarungen betreffend Lehrpläne und Lehrplanteile bedürfen der Genehmigung durch den Grossen Rat; ausgenommen sind kurzfristig kündbare Vereinbarungen von untergeordneter Bedeutung. Der grossrätliche Beschluss unterliegt dem fakultativen Referendum.

Art. 12a

Abs. 3 (neu) Der Erlass und die Einführung von Lehrplanteilen fallen in die Zuständigkeit des Regierungsrates und des Grossen Rates. Sie bedürfen zu ihrer Anwendbarkeit der Genehmigung durch den Grossen Rat. Der Grossratsbeschluss unterliegt dem fakultativen Referendum. Lehrplanteiländerungen von untergeordneter Bedeutung führt der Regierungsrat in eigener Kompetenz ein.

 

Abs. 4 (neu) Interkantonale Vereinbarungen betreffend Lehrpläne und Lehrplanteile bedürfen der Genehmigung durch den Grossen Rat; ausgenommen sind kurzfristig kündbare Vereinbarungen von untergeordneter Bedeutung. Der grossrätliche Beschluss unterliegt dem fakultativen Referendum.

Art. 74

Abs. 2 (neu) Er kann seine Befugnisse gemäss Artikel 17 Absatz 3, Artikel 25 Absatz 3, Artikel 26 Absätze 3 und 4, Artikel 27 Absatz 6, Artikel 46 Absatz 4, Artikel 46a Absatz 3, Artikel 47 Absätze 3 und 4, Artikel 49a Absatz 6, Artikel 49f Absatz 1, Artikel 54 Absatz 2 sowie Artikel 61 Absatz 7 ganz oder teilweise der Erziehungsdirektion übertragen.

Inkrafttreten:

Die Artikel 12, 12a und 74 Absatz 2 des Volksschulgesetzes vom 19. März 1992 (VSG; BSG 432.210) treten sofort mit Annahme durch das Volk in Kraft.

Übergangsbestimmung zur Änderung von Artikel 12 des Volksschulgesetzes vom 19. März 1992 (VSG; BSG 432.210), Lehrpläne für die deutschsprachigen Volksschulen:

Vor Inkrafttreten der Änderungen in Art. 12 VSG erlassene Lehrpläne und Lehrplanteile, die auf einen Zeitpunkt nach dem 1. Januar 2017 in Kraft gesetzt werden und die nicht von untergeordneter Bedeutung sind, bedürfen der nachträglichen Genehmigung durch den Grossen Rat. Die entsprechenden Grossratsbeschlüsse unterliegen dem fakultativen Referendum.

Volksinitiative Kanton Bern: «Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!»

Unterschriftenbögen können auch bei der EDU Kanton Bern bestellt, ausgefüllte Bögen können zurückgesandt werden:

 

Sekretariat EDU Kanton Bern

Belpbergstrasse 15

3123 Belp