Wir brauchen mehr Kleinklassen

Standpunkt Nr. 9 | November 2018 | Ursula Vögeli

In der Standpunkt-Ausgabe vom November 2017 haben wir über die «KleinKlassenPetition» berichtet. Ausgangspunkt waren Beobachtungen zu den Auswirkungen des im Jahr 2008 eingeführten Artikels 17 im Volksschulgesetz (VSG). Dieser besagt folgendes:

Art. 17 Integration und besondere Massnahmen
1 Schülerinnen und Schülern, deren schulische Ausbildung durch Störungen und Behinderungen oder durch Probleme bei der sprachlichen und kulturellen Integration erschwert wird, sowie Schülerinnen und Schülern mit ausserordentlichen Begabungen soll in der Regel der Besuch der ordentlichen Bildungsgänge ermöglicht werden.
2 Die Bildungsziele werden soweit nötig durch besondere Massnahmen wie Spezialunterricht, besondere Förderung oder Schulung in besonderen Klassen, die grundsätzlich in Schulen mit Regelklassen zu integrieren sind, angestrebt.
3 Der Regierungsrat regelt das Nähere durch Verordnung, insbesondere *
a* die Organisation des Spezialunterrichts und der besonderen Klassen,
b* die Massnahmen zur besonderen Förderung,
c* die Zuweisungsverfahren.

Mit der Umsetzung des Artikels zeigte sich, dass im Kanton Bern die Zahl von 411 Kleinklassen - neu auch als «Klassen zur besonderen Förderung » bezeichnet - auf deren 256 reduziert worden ist. Die verstärkte Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in die Regelklassen läuft nicht ohne Probleme und nachteilige Auswirkungen für alle Beteiligten ab. Deshalb spricht sich die Petition klar dafür aus, dass die aktuelle Situation in der Volksschule überdacht und aus pädagogischer Sicht neu beurteilt wird. Das Angebot an Klein- und Förderklassen soll wieder erhöht werden, Lehrpersonen sollen bessere Unterstützung erhalten, die notwendigen finanziellen Mittel sollen bereitgestellt werden.

Das Anliegen der Petition wurde von vielen Menschen geteilt. Kaum waren die Unterschriftbogen erstellt und versandt, erhielten wir ausgefüllte Exemplare zurück. Täglich trafen viele Rücksendungen bei uns ein. Einigen war ein Schreiben beigelegt mit Bitte, weitere Unterschriftbogen zuzustellen. Auch eine telefonische Anfrage haben wird erhalten. Gerade anlässlich dieses Telefonats wurde uns bewusst, dass Interesse vorhanden ist und die «KleinKlassenPetition» auf offene Ohren stösst. In Gesprächen mit Fachpersonen, Juristen und Bekannten wurden wir in unserem Anliegen bestätigt und ermutigt. Nun haben wir die unterschriebenen Bogen der Staatskanzlei abgegeben. Dort werden sie gezählt und an die zuständigen Behörden weitergeleitet.

Was sind unsere Erwartungen? Wir sind uns bewusst, dass eine sofortige Umsetzung unserer Anliegen nicht möglich sein wird. Jedoch wünschen wir uns, dass möglichst rasch der Dialog mit den zuständigen Behörden, Gremien und Personen gesucht wird. Im Weiteren sollte die Reduktion der Klein- und Förderklassen gestoppt werden – wir hoffen auf eine Tendenzumkehr. Nach Bedarf sollen wieder neue Klassen angeboten werden.

Konkrete Umsetzung des neuen Lehrplans im Kanton Bern wird aktuell

Umsetzung durch die Bildungsstrategie der Erziehungsdirektion BE

Dazu hat die EDU dieGelegenheit benutzt, Stellung zu nehmen im Rahmen einer Konsultation -> Vernehmlassungen

Eine Auslegeordnung in verschiedenen Zeitungsartikeln

Vorstösse im Grossen Rat

Genderfragen

Gender und Gleischstellung ist nicht dasselbe

In der Märzsession 2016 hat sich die EDU- Fraktion erfolgreich für den Verzicht auf "verbindliche Standards zur Verankerung der Genderperspektive" in der Bildungsstrategie 2016 eingesetzt.

 

Unser Newsbericht vom 19.03.2016

Jetzt ist die aktuelle Ausgangssituation im Kanton Bern bekannt

... nach der Behandlung von zwei Motionen in der Novembersession 2014 des Grossen Rates.

 

 

Die Motionärin Sabina Geissbühler, SVP, hat von ihrer Motion

Der Lehrplan 21 ist ein bürokratisches, nicht praxistaugliches Monsterwerk“

die Punkte 1,2,4,7-10 zurückgezogen. Blieben noch die Punkte 3,5,6, die auc als Postulat abgelehnt wurden.

Die EDU hat die drei verbleibenden Punkte unterstützt, war damit jedoch in der Minderheit.

Die Forderungen dieser 3 Punkte lauten:

Der Regierungsrat wird aufgefordert, Neuverhandlungen betreffend eine Teilreform von Harmos aufzunehmen und zu veranlassen, dass

Ziffer 3: der Lehrplan 21 als praxisbezogenes Instrument der Koordination der Bildung dient und wenige konkrete, überprüfbare Jahresziele aufweist

Ziffer 5: sich die Kompetenzorientierung wie bis anhin auf die Selbst-, Sach- und Sozialkompetenz beschränkt

Ziffer 6: die Produktion von neuen Lehrmitteln vorläufig gestoppt wird

 

Die Motionärin hat mit dem Rückzug der Hauptpunkte dem Anliegen den Wind aus den Segeln nehmen müssen. Diese Hauptpunkte zielten nämlich auf die totale Hinterfragung des Lehrplanentwurfes. Bei den drei Punkten, die noch zur Abstimmung kamen, stand die SVP- Fraktion nicht hundertprozentig hinter „ihrer“ Motionärin Sabina Geissbühler.

 

Bei der Motion von EVP- Seite (Steiner- Brütsch Daniel und Löffel- Wenger Ruedi)

Lehrplan 21: Der grosse Rat muss entscheiden können“

wurden Ziffer 1 und 2 abgelehnt, Ziffer 3 angenommen und abgeschrieben. Auch hier war die EDU- Fraktion Befürworterin aller 3 Punkte und in der Minderheit.

 

Diese Motion forderte

Der Regierungsrat wird beauftragt,

1. die Einführung des Lehrplans 21 (inkl. die kantonalen Ergänzungen),

2. den Zeitpunkt der Einführung des Lehrplans 21,

3. die Kosten zur Einführung des Lehrplans 21 dem Grossen Rat zum Entscheid vorzulegen und dazu nötigenfalls die gesetzlichen Grundlagen anzupassen.

 

Unser Grossrat Stefan Oester sagte in seinem Votum (aus dem Wortlautprotokoll): Ein Monsterwerk, das mit viel Aufwand erarbeitet wurde, dessen Umsetzung aber eher schwierig wird. Die EDU hat gewisse Vorbehalte, aber – und damit komme ich zur Zusammenfassung meines Votums – inhaltlich gibt es nichts mehr zu ändern. Weil es aber eine derart grosse Kiste ist, möchten wir etwas dazu sagen. Deshalb unterstützen wir die Motion Steiner-Brütsch. Die Wirkungsziele wären interessant. Aber auch die Kosten sollten bekannt sein. Die EDU teilt die Meinung des Motionärs Steiner-Brütsch und möchte die Verantwortung in allen drei Punkten übernehmen. Solche wichtigen Entscheide sollten breit abgestützt sein.“

 

Bei der Fraktion unserer EDU- Grossräte ist der Eindruck aus der Debatte entstanden, dass Regierungsrat Bernhard Pulver die Vorarbeiten und die Einführung des Lehrplans mit viel Fingerspitzengefühl an die Hand nehmen will, oder aus Der Bund vom 28.11.2014 zitiert: „Der Lehrplan soll mit viel Sorgfalt eingeführt werden.“

 

Wir verstehen dies nicht als Befürwortung des Lehrplanes ohne Vorbehalt, sondern wir denken, Herr Pulver hat erkannt, woher der Wind weht und ist intelligent genug, die Befürchtungen der Gegner ernst zu nehmen. Von daher hat die frühzeitige Hinterfragung der für uns wichtigen Punkte durchaus Früchte getragen.

 

Unter diesen Umständen verzichten wir als Fraktion für den Moment auf das Ergreifen einer Initiative, werden aber den ganzen Prozess aufmerksam weiter begleiten. Wir sollten uns nicht dem Gedanken verschliessen, dass sich letztlich für den Kanton Bern eine akzeptable Situation ergibt.  

Der Grossrat wird also nur über die Finanzierung mitbestimmen können.

 

 

Wie weiter? - Situationsanalyse der EDU Kanton Bern

Es trifft zu, dass in verschiedenen Kantonen Initiativen gegen den Lehrplan lanciert bzw. bereits am Laufen sind. Darin beteiligt sich die EDU- Sektion aus den betreffenden Kantonen, aber nicht als alleinige Partei.

 

Ausserdem: Im Kanton Bern war 2009 eine Referendumsabstimmung über HarmoS. Der Anschluss des Kantons Bern an die Schulharmonisierung wurde mit 51.5% Ja- Anteil von den Stimmberechtigten des Kantons Bern angenommen. In städtischen Gebieten war der Ja- Stimmen- Anteil höher, in ländlichen Gebieten resultierte vielfach ein Nein- Überschuss.

 

Wie in den anderen Kantonen würden wir auch als EDU Kanton Bern nicht den Alleingang zum Lancieren von Initiativen sehen. Es müsste eine überparteiliche Bewegung entstehen. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Lehrer jetzt schon nach den Prinzipien des neuen Lehrplanes an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet werden. Verschiedene Bestandteile werden sogar schon praktisch in der Schule angewendet.

 

Unseres Erachtens ist es im Moment die wichtigste Stossrichtung, die Eidgenössische Initiative „Ja zum Schutz vor Sexualisierung in der Primarschule“ zu unterstützen. Wenn auch nicht mehr explizit im Lehrplan 21 für die unteren Stufen enthalten, ist doch dauernd ein Druck von Seiten des Bundesamtes für Gesundheitswesen zu spüren (Weitere Informationen unter www.schutzinitiative.ch) . Der Bundesrat empfiehlt die Ablehnung dieser Initiative und sagt, die Kantone seien für dieses Anliegen zuständig (gemäss dem Pressecommuniqué der Staatskanzlei: https://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&msg-id=55442) . Da wird es also auf die Abstimmungskampagne ankommen. Die Eidgenössischen Parlamente müssen noch über die Initiative beraten.

 

 

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Der Lehrplan 21 wurde von der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) überarbeitet. Er ist nun "freigegeben" worden.

Die Einführung des Lehrplans ist Sache der Kantone.

Wir empfehlen Ihnen die Internetseite elternfuereinegutevolksschule.ch, welche aktuelle Informationen enthält.

"Ein ungutes Gefühl bleibt"

25.11.2014 / Dies der Titel in IdeaSpektrum und livenet.ch zur aktuellen Situation:

Obwohl sich die Verfasser des Lehrplan 21 nach eigenen Worten bemüht haben, kritische Formulierungen abzuschwächen, sind die Kritiker aus den evangelischen Reihen nur bedingt zufrieden.

Biblische Geschichten und Kenntnisse der christliche Tradition haben zwar im revidierten Lehrplan Eingang gefunden, doch ebenso der religionskundliche Ansatz, dass Weltreligionen miteinander zu vergleichen seien. Dies überfordere aber vor allem jüngere Schüler.

Von der EDU wie auch von der Stiftung Zukunft CH wird in diesem Artikel berichtet, dass auch im neuen Lehrplan immer noch die starke ideologische Ausrichtung enthalten sei. Wenn es statt «Gender und Gleichstellung» neu «Geschlechter und Gleichstellung» heisse, ändere es nichts am Inhalt. Weiterhin würden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern negiert und die «sexuelle Vielfalt» mit ihrer Gleichstellung verschiedenster sexueller Ausrichtungen propagiert. Die EDU sieht im Lehrplan zudem die Absicht einer «Dekonstruktion der traditionellen Familie».

Unter diesem Bericht gibt es auch Links zu weiteren Artikeln auf livenet.ch zu den Themen

  • Sexualkunde oder
  • "EDK lenkt ein: Weihnachten und Ostern wieder im Lehrplan 21",
  • 32'454 Stimmen gegen Gender: Erfolgreicher Protest zum Lehrplan 21 – aber nur ein Scheinkompromiss sowie
  • "Religion gehört zur Schule: Acht Postulate zum Lehrplan 21".

Das Thema «Gender und Gleichstellung» im Lehrplan 21 bietet nach wie vor viel Diskussionsstoff.

Lehrplan 21 – schlicht ein Desaster!

Jugend und Familie zum Thema Gender im Lehrplan 21

So viel kostet der Lehrplan 21

Artikel in der Berner Zeitung, 08.07.2014

Vernehmlassungs- Antwort der EDU Kanton Bern

Diese Vernehmlassung haben wir im Dezember 2013 bei der Erziehungsdirektion (ERZ) des Kantons Bern eingereicht.

 

Unsere Anliegen sind direkt im Auswertungsbericht der Pädagogischen Hochschule Bern (PH) eingeflochten. Alle weiteren Details dazu hier auf der Webseite der ERZ.

 

Die ERZ hat sodann eine offizielle kantonale Stellungnahme an die Erziehungsdirektoren- Konferenz eingereicht. Diese können Sie ebenfalls unter eben erwähntem Link aufrufen. Direkt auf Eidgenössischer Ebene hat die EDU keine Möglichkeit, Vernehmlassungen einzureichen, da wir nicht im Nationalrat vertreten sind.

Thema Lehrplan 21

Anfangs des Jahres 2011 hat die EDU- Fraktion eine Motion eingereicht, welche von der Regierung laufende Informationen über die Erarbeitung des Lehrplans 21 verlangt.

Motion Stefan Oester

 

Sexualerziehung im Lehrplan 21: Der Kanton Bern soll am heutigen Konzept festhalten

jesus.ch, 07.09.2011

Dies verlangt eine dringliche Motion von Daniel Steiner, EVP, Langenthal. Das Büro des Grossen Rates stimmt leider der Dringlichkeit nicht zu.

Der Wortlaut der Motion, die von Stefan Oester mit unterzeichnet wurde

Der Regierungsrat setzt sich im Rahmen der Ausarbeitung und der kantonalen Umsetzung des Lehrplans 21 für folgende Anliegen ein: 

1. Die Grobziele und Inhalte der Sexualerziehung im Lehrplan 21 orientieren sich am aktuell geltenden Lehrplan für die Volksschule des Kantons Bern 1995 (Lehrplan 95). 

2. Die primäre Verantwortung für die Sexualerziehung liegt bei den Eltern. Wie bisher haben sie auch im Rahmen des Lehrplans 21 das Recht, ihr Kind von der schulischen Sexualerziehung dispensieren zu lassen. 

3. Die Sexualerziehung im Lehrplan 21 hat alters- und stufengerecht zu erfolgen. Die Lehrpersonen beachten dabei die Unterschiede in der körperlichen und seelischen Entwicklung von Mädchen und Knaben.

 

Lehrplan 21 und Sexualunterricht an der Schule

Der Grosse Rat hatte an der Märzsession 2012 zu diesem Thema von der EDU unterstützte Forderungen der SVP und der EVP an die Regierung zu beraten:

  • Keine Lektionen explizit für Sexualunterricht im Lehrplan 21
  • Keine sogenannten professionellen Sexualinstruktoren zulassen
  • Die Kompetenz der Sexualerziehung auf der Vorschul- und Unterstufe den Eltern zu überlassen
  • Die Dispensationsmöglichkeit von der schulischen Sexualerziehung
  • Grobziele und Inhalte der Sexualerziehung aus dem bisherigen Lehrplan ‚95 unverändert zu übernehmen
  • Eine alters- und stufengerechte Sexualerziehung.

Die Regierung beantragte in keinem dieser Punkte Ablehnung, schwächte sie zwar ab zu einer Annahme in Form von Postulaten oder zur Annahme und Abschreibung. Der Rat folgte vollumfänglich den Anträgen der Regierung.

 

en français

Klassengrössen: "Nur ungern zugestimmt"